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Marktbericht

Aktuelle News

G20-Agrarminister einigen sich auf Verschreibungspflicht für Tier-Antibiotika

Die G20-Agrarminister haben bei ihrem Treffen gestern in Berlin die Notwendigkeit eines verantwortlichen Umgangs mit Antibiotika in der tierischen und pflanzlichen Erzeugung unterstrichen. Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium heute berichtete, haben sich die Ressortchefs auf eine Verschreibungspflicht für Antibiotika bei Tieren verständigt. Zudem hätten sie sich darauf geeinigt, dass jedes Land bis 2020 entweder eine nationale Risikoanalyse hinsichtlich der Unbedenklichkeit oder eine Roadmap für den Ausstieg aus dem Antibiotikaeinsatz als Wachstumsförderer vorlegen müsse. In der Europäischen Union ist der Einsatz von Antibiotika als Wachstumsförderer bereits seit 2006 verboten.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt wies darauf hin, dass in Deutschland ein Konzept geschaffen worden sei, um den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung konsequent zu erfassen und zu senken. „Und wir arbeiten weiter intensiv daran, den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zu verringern - zum Beispiel, indem wir die EU-Tierarzneimittelnovelle aktualisieren“, so der Ressortchef. Insbesondere die Anwendung sogenannter Reserveantibiotika müsse restriktiver werden. Das werde nur gelingen, wenn die Veterinär- und Humanmedizin eng zusammenarbeiteten.

„Deshalb verfolgen wir in Deutschland den ‚One-Health-Ansatz‘ - Human- und Tiermedizin, Landwirtschaft, Umwelt -, für den ich auch im Rahmen von G7 und G20 geworben habe und der inzwischen international auf sehr großes Interesse stößt“, erklärte Schmidt. Mit Blick auf die aktuellen Verpflichtungen der G20-Agrarminister sprach er von einem internationalen Meilenstein auf dem Weg zur Reduzierung von Antibiotikaresistenzen. AgE

Rukwied: Bauern und Politik in Sachen Milchmarkt gleichermaßen gefordert

Mit Blick auf die gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen der jüngsten Milchmarktkrise hat der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, weitere politische Anstrengungen zur Stärkung der Milchbauern in der Vermarktungskette gefordert. Er sieht aber auch bei den Milchbauern noch Potential zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.

Beim DBV-Fachforum Milch am Rande der Internationalen Grünen Woche (IGW) erklärte Rukwied heute in Berlin, als Unternehmer müssten sich die Milchbauern regelmäßig die Frage stellen, ob sie mittel- und langfristig auf ihren Höfen erfolgreich aufgestellt seien. Dazu gehöre auch ein kritischer Blick auf die Vermarktung, denn es seien die eigenen Erzeugerorganisationen und Genossenschaften, mit denen die Bauern auf regionalen und internationalen Märkten Wertschöpfung sichern müssten.

Rukwied sieht aber gleichermaßen die Politik in der Pflicht, dafür die notwendigen Rahmenbedingungen zu setzen und den Milchmarkt zu begleiten. „Die langjährige politische Vorgabe, den europäischen Milchmarkt fortlaufend zu liberalisieren, ist Fakt. Die nationale und europäische Politik müssen jedoch weiterhin Leitplanken setzen, die Strukturbrüche in der Milcherzeugung verhindern“, mahnte der DBV-Präsident. Überprüft werden muss nach seiner Auffassung auch die mit öffentlichen Mitteln unterstützte Einlagerung von Milchprodukten. Als marktstabilisierende Maßnahme gelte es zudem, die Öffnung attraktiver Drittlandmärkte voranzutreiben.

Ebenfalls von hoher Bedeutung sei eine für die Milchbauern praktikable Weiterentwicklung der Tier- und Umweltschutzstandards, so Rukwied. „Wir Landwirte haben in den vergangenen Jahrzehnten stets bewiesen, dass wir zu Weiterentwicklungen bereit sind“, betonte der Bauernpräsident. Höhere Produktionsstandards, ob vom Gesetzgeber oder von Marktpartnern gesetzt, müssten jedoch immer so gestaltet sein, dass sie effektiv, sachgerecht, für die Landwirte praktikabel und wirtschaftlich darstellbar seien. Dieses Ziel scheine in einigen Diskussionen aber völlig aus dem Blick geraten zu sein, beklagte Rukwied. AgE

Pflanzenschutzsteuer laut Mußhoff kontraproduktiv und wirtschaftsfeindlich

Eine Sondersteuer auf Pflanzenschutzmittel würde die Agrarproduktion in Deutschland verteuern, den Strukturwandel beschleunigen und dennoch kaum ökonomische Anreize zur Senkung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes setzen. So lautet das vorläufige Fazit von Prof. Oliver Mußhoff, der im Auftrag vom Industrieverband Agrar (IVA) eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zur „Einführung einer Abgabe auf Pflanzenschutzmittel in Deutschland“ einer wissenschaftlichen Bewertung unterzogen hat.

Mußhoff sieht die wissenschaftliche Qualität der Studie kritisch und monierte heute in Berlin eine „Vielzahl an inhaltlichen Unzulänglichkeiten“. Dies beginne bei der Behauptung, dass der Einsatz an Pflanzenschutzmitteln in rund 20 Jahren um 36 % gestiegen sei. Tatsächlich basiere diese Berechnung auf der willkürlichen Wahl des Referenzjahres 1993, das ein Ausnahmejahr mit sehr niedrigem Verbrauch gewesen sei.

Der Göttinger Agrarökonom kritisiert auch die Unterstellung der UFZ-Autoren, dass Landwirte ein Zehntel der Pflanzenschutzmittel zu viel und damit grundlos ausbrächten. Mußhoff wirft den Verfassern in diesem Zusammenhang vor, fälschlicherweise davon auszugehen, dass die eingesetzten Mengen von Pflanzenschutzmitteln nahezu beliebig gesenkt werden köntnen. Dabei werde aber verkannt dass die Aufwandmengen bestimmte Schwellenwerte nicht unterschreiten dürften, ohne dass die Wirksamkeit leide.

Im Falle einer von den UFZ-Forschern angeregten Pflanzenschutzsteuer erwartet Mußhoff zwangsläufig eine Verteuerung der Produktion. Dies würde die Gewinne in Hochertragsregionen schmälern, aber nicht zur Senkung des Mitteleinsatzes führen. Auf Standorten mit schwachen Böden und geringen Niederschlägen könnten dagegen Agrarflächen brachfallen, da sie nicht mehr rentabel zu bewirtschaften wären. Möglich sei auch die Aufgabe ganzer Betriebe, warnt der Agrarökonom. Zudem seien Fruchtfolgeverschiebungen zugunsten pflanzenschutzextensiver Pflanzen wie Mais und Produktionsverlagerungen ins Ausland absehbar. AgE

Initiative Tierwohl sieht sich auf gutem Weg

Die Initiative Tierwohl (ITW) sieht sich für die Zeit bis Ende 2020 gut aufgestellt und will bis dahin mit einem neuen Kriterienkatalog und größerem Budget noch deutlich mehr Tierschutz in die Ställe bringen. Wie der Geschäftsführer der Trägergesellschaft der Initiative, Dr. Alexander Hinrichs, heute in Berlin feststellte, haben sich die Partner aus der Branche klar hinter die Initiative gestellt und zudem einen deutlich höheren Beitrag in Aussicht gestellt. Ab 2018 werde von jedem Kilogramm verkauftem Schweine- und Geflügelfleisch 6,25 Cent statt bisher 4 Cent abgeführt. Insgesamt stünden dann rund 130 Mio Euro pro Jahr zur Verfügung, bilanzierte Hinrichs. Damit könne man zusätzlich zu den Bestandsbetrieben auch den aktuell rund 100 Geflügelunternehmen und 2 100 schweinehaltenden Betrieben auf der Warteliste die Teilnahme ermöglichen.

Mit der neuen Finanzierungsperiode ab 2018 werden laut Hinrichs auch die Grundanforderungen verschärft. So müssten alle teilnehmenden Schweinehalter den Tieren 10 % mehr Platz und zusätzliches Beschäftigungsmaterial anbieten. Geflügelhalter müssten sich zusätzlichen verpflichtenden Stallklima- und Tränkewasserchecks unterziehen.

Teil der weiterentwickelten Kriterien sind nach Angaben des ITW-Geschäftsführers auch engmaschigere Kontrollen und die Einführung eines neuen Tiergesundheitsindexes. Dieser soll in Zukunft Rückschlüsse auf die tatsächliche gesundheitliche Verfassung der Tiere im Programm erlauben und zudem bei der Weiterentwicklung der Tierwohlkriterien helfen. Einzelbetriebliche Veröffentlichungen lehnt Hinrichs jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen ab.

Die Aufkündigung der Mitarbeit des Deutschen Tierschutzbundes wird von dem ITW-Geschäftsführer bedauert. Der Schritt sei aber nicht nachzuvollziehen, zumal man im Rahmen der Weiterentwicklung der eigenen Kriterien auch die Kritik und Anregungen des Tierschutzbundes berücksichtigt habe. Inhaltlich wäre der Austritt daher nicht nötig gewesen, so der Hinrichs. Er betonte, dass man ungeachtet dessen, weiter mit Nichtregierungsorganisationen im Dialog bleiben wolle.

Mit Blick auf das von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt angekündigte staatliche Tierwohllabel, erklärte Hinrichs, es werde jeder Ansatz begrüßt, das Tierwohl in der Tierhaltung zu verbessern. Erwartet würden nun die Konkretisierung der Inhalte, Kriterien und Zeitpläne. Hierzu biete er der Bundesregierung an, das im Rahmen der eigenen Arbeit gewonnene Know-how einzubringen. AgE

Verbraucherschützer fordern mehr Klarheit über Nahrungsergänzer

Mehr Klarheit beim Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gefordert. Kurz vor Eröffnung der Internationalen Grünen Woche (IGW) wies der vzbv-Vorstand Klaus Müller heute in Berlin darauf hin, dass bundesweit jeder dritte Bürger solche Mittel einnehme. Insgesamt werde laut einer aktuellen forsa-Umfrage jedes Jahr in Deutschland mehr als 1 Mrd Euro dafür ausgegeben. Dennoch wüssten die Verbraucher nur wenig über Nahrungsergänzer und unterschätzten daher die Risiken.

„Viele Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln vermitteln den Verbrauchern, sie würden ihrer Gesundheit etwas Gutes tun“, stellte Müller weiter fest. Häufig seien solche Mittel aber Geldverschwendung, manchmal sogar gesundheitsgefährdend. Nach Überzeugung des vzbv-Vorstands sind deshalb dringend klare Regeln für sinnvolle Dosierungen und definierte Anforderungen an die Zusatzstoffe erforderlich. Dafür müssten neben einer europäischen Positivliste für Zusatzstoffe, behördlichen Sicherheitsprüfungen und staatlichen Zulassungsverfahren auch klare Höchstmengenregelungen eingeführt werden.

Laut Prof. Helmut Heseke von der Universität Paderborn sind die Verbraucher in Deutschland bereits durch die Aufnahme üblicher Lebensmittel in der Regel gut mit Vitaminen und Nährstoffen versorgt. Zudem biete die Aufnahme von Nahrungsergänzungsmitteln über den eigentlichen Bedarf hinaus keinerlei Vorteile und berge sogar Gefahren für die Gesundheit. Wie Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hinzufügte, ist auch kaum bekannt, dass hinsichtlich des Einsatzes „sonstiger Stoffe“ in NEM keine gesetzlichen Einschränkungen bestehen. Die Verbraucher hätten damit keine Sicherheit, dass diese Produkte frei von schädlichen Substanzen seien, gab Clausen zu bedenken.

Der vzbv hat zur Grünen Woche ein neues Verbraucherportal zu Nahrungsergänzungsmitteln freigeschaltet. Unter „www.klartext-nahrungsergaenzung.de“ finden interessierte Bürger nach seinen Angaben Informationen über entsprechende Produkte. Verbraucher könnten hier auch Fragen an Ernährungsexperten stellen und Produktbeschwerden einreichen. AgE

Lohnunternehmen wollen 2017 mehr Maschinen anschaffen

Die Investitionsbereitschaft der deutschen Lohnunternehmen wird einer aktuellen Erhebung des Beckmann Verlags zufolge in diesem Jahr uneinheitlich ausfallen, insgesamt aber steigen. Auf Grundlage der aktuellen Umfrage unter 100 landwirtschaftlichen Dienstleistern ziehen die Analysten in der aktuellen Ausgabe des „LU-Trend-Reports“ den Schluss, dass sich ein Teil der Lohnunternehmer, nämlich knapp mehr als die Hälfte, zurückhaltender zeigen wird als im Vorjahr. Gleichzeitig gedenken aber diejenigen, die mehr Landtechnikkäufe als 2016 tätigen wollen, größere Summen zu investieren.

Konkret ist laut Verlag die Zahl derjenigen, die bis zu 50 000 Euro oder bis zu 100 000 Euro investieren wollten, um elf beziehungsweise acht Lohnunternehmer auf insgesamt 19 gesunken. Viele von ihnen hätten im Vorjahr kräftig investiert und wollten sich daher nun zurückhalten. Dagegen planten 18 Befragte mehr als im Vorjahr, nämlich zwischen 100 000 Euro und 300 000 Euro in neue Technik zu stecken. Leicht zurückgegangen sei wiederum die Investitionsbereitschaft in der Bandbreite 301 000 Euro bis 600 000 Euro, während sie bei allen Anschaffungen, die diese Summe übertreffen würden, etwas höher ausgefallen sei.

Bei der Frage nach dem Gegenstand der Investitionen lagen die Traktoren dem Beckmann Verlag zufolge deutlich vorne. Sei 2016 von den Befragten insgesamt der Kauf von 18 Schleppern geplant gewesen, so habe die Menge auf nunmehr 40 zugelegt. Rund 90 % dieser Traktoren würden den Plänen der Befragten zufolge in der Klasse 150 PS bis 250 PS liegen. Auch Häcksler sind nach Angaben des Verlages bei den Lohnunternehmern wieder mehr gefragt; hier fehle das geplante Erwerbsvolumen mit 18 Stück unter allen Befragten um mehr als ein Viertel größer aus als vor Jahresfrist. Die Zahl der vorgesehenen Käufe von Pflanzenschutzspritzen sei mit sieben zwar erneut gering ausgefallen, habe sich aber im Vorjahresvergleich beinahe verdoppelt.

Kaum noch Bedeutung hätten für die potentiellen Landtechnikkäufer in den vergangenen Jahren die Frühbezugskonditionen gehabt. Der Verlag sieht das kontinuierliche Investitionsverhalten der Dienstleister als mögliche Ursache dafür. Unterdessen sei auch eine sinkende Tendenz beim Eigenkapital der Lohnunternehmer erkennbar. AgE

EuRH fordert Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung

Die bisherigen Maßnahmen der Europäischen Union gegen Lebensmittelverschwendung sind nach Ansicht des Europäischen Rechnungshofs (EuRH) unzureichend. In seinem heute zu diesem Thema vorgelegten Bericht an die EU-Kommission kritisiert der EuRH das bisherige Vorgehen als „unzusammenhängend und bruchstückhaft“. Gefordert seien konkrete Maßnahmen, wie etwa eine Vereinfachung von Lebensmittelspenden und mehr Investitionen in die Vermeidung.

Die Kommission wird aufgefordert, die EU-Organe und Mitgliedstaaten besser zu koordinieren. Hierzu verlangen die Prüfer einen Aktionsplan und eine gemeinsame EU-Strategie mit einer einheitlichen Definition für den Begriff der Lebensmittelverschwendung als Ausgangsbasis. Die von der Kommission geplante Plattform gegen Lebensmittelverschwendung hält das für den Bericht zuständige EuRH-Mitglied Bettina Jakobsen dagegen für unwirksam. Lebensmittelverschwendung sollte nach Auffassung des Rechnungshofs zudem in künftigen Folgenabschätzungen der verschiedenen EU-Politiken mit einfließen. Diese sei ein Problem entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette. Insbesondere die Landwirtschafts-, die Fischerei- und die Lebensmittelsicherheitspolitik müssten hier eine wichtige Rolle übernehmen und könnten zur verbesserten Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung genutzt werden, so die Prüfer.

Empfohlen wird unter anderem, den Abruf verfügbarer EU-Finanzmittel für Investitionen zur Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung einfacher zu gestalten. Zudem müssten betreffende Vorgaben in der Abfallrahmenrichtlinie und im allgemeinen Lebensmittelrecht klarer gefasst werden, da die bestehenden Regelungen häufig von Lebensmittelspenden abhalten würden. Nach Schätzungen der Europäischen Umweltagentur (EEA) wird in der Gemeinschaft etwa ein Drittel der Lebensmittel entsorgt oder geht verloren. AgE

Bundesratsinitiative zur finanziellen Stärkung der Zweiten Säule

Eine Umschichtung von EU-Fördermitteln zugunsten des Ökolandbaus und des Vertragsnaturschutzes wollen die Landesregierungen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein - wie bereits zuvor angekündigt - mit einer gemeinsamen Gesetzesinitiative über den Bundesrat erreichen. Wie die Landwirtschaftsministerien beider Länder heute in separaten Presseverlautbarungen mitteilten, soll eine Änderung des Durchführungsgesetzes für Direktzahlungen erwirkt werden, so dass künftig 15 % der Fördermittel aus der Ersten Säule in die Zweite Säule fließen. Das entspreche nach EU-Recht dem höchstmöglichen Prozentsatz. Derzeit beträgt der betreffende Anteil 4,5 %.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck sieht eine Neuaufstellung der EU-Förderung als dringend notwendig an, da immer mehr Bauern Einkommensalternativen im Ökobereich suchten. Ziel sei ein System, „in dem die Landwirtschaft öffentliches Geld für öffentliche Leistungen erhält“. Die Umschichtung könne „ein erster wichtiger Schritt hin zu einer anderen Förderpolitik“ sein.

Der niedersächsische Agrarressortchef Christian Meyer möchte insbesondere Milchbauern, Schaf- und Sauenhalter durch eine bessere Honorierung der Grünlandpflege unterstützen. Durch die flächengebundenen Zahlungen erhielten nur etwa 20 % der Betriebe 80 % der Beihilfen, kritisierte Meyer. Zudem sei die Mehrheit der Flächen in Niedersachsen verpachtet, weshalb die Prämien oft mittels steigender Pachten an die Besitzer weitergeleitet würden.

Mit der von Habeck und Meyer gewollten Umschichtung würde der jährliche Betrag, der aus der Ersten in die Zweite Säule fließt, von 230 Mio Euro auf 750 Mio Euro steigen. Für Schleswig-Holstein wären das statt derzeit 14 Mio Euro dann 47 Mio Euro, und für Niedersachsen würden 80 Mio Euro zusätzlich in der zweiten Säule zur Verfügung stehen. Die Einbringung ist laut dem Kieler Agrarressort für die Sitzung des Bundesrats am 10. Februar vorgesehen. Die Aufstockung der Umschichtung müsste der EU-Kommission spätestens zum 1. August 2017 mitgeteilt werden. AgE

Zwei Stufen bei staatlichem Tierwohllabel geplant

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat erste Details zum geplanten Tierschutzlabel für Fleischprodukte genannt. „Es wird voraussichtlich zwei Stufen geben, Standard und Premium", sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.). Dafür würden jeweils Anforderungen an die artgerechte Haltung definiert, wie Platz, Spielmaterial, Stroh oder Raufutter. Die Tierwohlstandards würden über den gesetzlichen Vorgaben liegen und die entsprechenden Produkte mit dem staatlichen Label gekennzeichnet sein, die es „an jeder Ladentheke“ geben solle. Schmidt hatte bereits angekündigt, mit Schweinen zu starten und das Label auf der am Freitag in Berlin beginnenden Internationalen Grüne Woche (IGW) vorstellen zu wollen.

In einem heute im „Berliner Tagesspiegel“ veröffentlichten Interview betonte Schmidt zudem, dass Deutschland ein „Trendsetter beim Tierwohl“ werden solle. Für das staatliche Tierwohlsiegel sei die Initiative Tierwohl der Wirtschaft eine gute Grundlage, doch müssten verbesserte Haltungsbedingungen in noch mehr Ställen ankommen. Ein Großteil der Verbraucher sei bereit, mehr für Lebensmittel zu zahlen, wenn die Tiere besser gehalten würden. „Dieses Potential will ich heben und das kann nur mit einer klaren Kennzeichnung gelingen“, so der CSU-Politiker. Er kündigte in dem Interview an, 70 Mio Euro bereitzustellen, um das neue Label zu etablieren.

Politikern der Grünen im Bundestag gehen die Pläne von Schmidt jedoch nicht weit genug. „Ein freiwilliges Label, dessen Einstiegsstufe nur knapp über den gesetzlichen Anforderungen liegt, ist Verbrauchertäuschung“, kritisierte die Sprecherin für Tierschutz- und Verbraucherpolitik, Nicole Maisch. Agrarsprecher Friedrich Ostendorff forderte eine verpflichtende Haltungskennzeichnung wie bei den Eiern und monierte, dass „sich in dieser Legislaturperiode nichts mehr für die vielen Millionen Nutztiere in Deutschland verbessern wird“. Bei einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen repräsentativen forsa-Umfrage sprachen sich 79 % der Bundesbürger für die Einführung einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung bei Fleischprodukten aus, äquivalent zu derjenigen bei Eiern. AgE

Biolebensmittel: Von Nischenprodukt zu Mainstream?

Jeder siebte Bundesbürger kauft mehr Bio- als konventionell erzeugte Lebensmittel. Das ist eines der Ergebnisse einer Bevölkerungsumfrage der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in Zusammenarbeit mit der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), die heute vorgestellt wurde. Für die Studie „Bio vs. konventionell - Was kaufen Konsumenten zu welchem Preis?“ ist laut Angaben der BVE eine repräsentative Stichprobe von 1 000 Personen ab 18 Jahren im Vorfeld zur Internationalen Grünen Woche (IGW) online befragt worden.

Besonders bei Obst und Gemüse griffen die Deutschen mehrheitlich zu Bioprodukten, wobei der „typische Einkäufer“ von biologisch erzeugten Lebensmitteln weiblich sei, jünger als 45 Jahre und über ein höheres Einkommen verfüge, erklärten die Marktforscher. Beim Einkauf von Molkereiprodukten, Fleisch- und Wurstwaren bevorzuge gut jeder dritte Verbraucher Bioqualität. Bei allen anderen Produktkategorien spiele diese allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch seien biologisch erzeugte Lebensmittel längst mehr als ein Trend innerhalb einer besonders umwelt- und ernährungsbewussten Verbraucherschicht, stellte der Leiter des Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüter bei PwC, Gerd Bovensiepen, klar. Sie seien auf gutem Weg, den Massenmarkt zu erobern.

Von Bioprodukten würden die Verbraucher vor allem Gesundheitsvorteile und mehr Tierwohl im Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln erwarten, erläuterte BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. Trotzdem werde dabei nicht jeder Preis akzeptiert, und bei einem besseren Preis-Leistungsverhältnis und einer größeren Auswahl greife der Verbraucher oft zum konventionellen Produkt. Die Bereitschaft, für Bio mehr zu zahlen, hänge stark vom Produkt und dem Preisunterschied ab. Die Zahlungsbereitschaft sei beispielsweise bei Biomilch höher als bei Biofleisch, erklärte Minhoff.

Verbesserungsmöglichkeiten sehen die Marktforscher vor allem im Hinblick auf die Biomarken. Die Mehrheit der Befragten erkannte laut der Studie kaum einen Unterschied zwischen den Biomarken und den Bioeigenmarken der Supermärkte. Zur stärkeren Differenzierung empfehlen die PwC-Experten die vermehrte Verwendung von Gütesiegeln. AgE
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